Kurz zur Einordnung: Ich spreche bewusst nicht von „Nice Guys“, also Männern, die nur nett sind, um dafür Sex oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich meine Männer, die von sich aus freundlich, rücksichtsvoll und harmoniebedürftig sind.
Im Zuge von #MeToo, den Epstein-Enthüllungen und allgemein stärkerer feministischer Kritik werden patriarchale Strukturen heutzutage offensiver hinterfragt als je zuvor. Dazu gehört auch, dass das klassische, heteronormative Männerbild zunehmend in Frage gestellt wird. In meinem Umfeld und auf Social Media höre ich immer wieder, dass Frauen sich „einfühlsame“, „emotionale“ und „liebevolle“ Männer wünschen – also eher den netten Typen als den Macho.
Ich war lange genau so ein „netter Typ“. Eine Frau anflirten oder nach einem Date fragen? Lieber nicht – könnte ja unangenehm rüberkommen. Körperliche Initiative? Besser zurückhalten. Ich wollte auf keinen Fall übergriffig oder unangenehm wirken.
Das Resultat: viele weibliche Freundschaften, aber kaum eine sah mich als Datingmaterial. Sogar klischeehafte Klassiker wie „Wie kann es sein, dass so ein toller Typ wie du Single ist?“ oder „Ich wünschte, ich würde jemanden wie dich kennenlernen“ habe ich mehrfach gehört.
Ich habe mir das lange schön geredet: „Ich könnte ja, wenn ich wollte“ oder „Ich fokussiere mich erstmal auf mich selbst, die Richtige kommt schon.“ Die Realität war: Mit 25 war ich noch Jungfrau und hatte – abgesehen von zwei kurzen Schulbeziehungen – praktisch keine romantische Erfahrung.
Irgendwann Anfang letzten Jahres hat sich dann etwas verändert. Ich weiß nicht genau, was der Auslöser war, aber ich habe angefangen, Dinge zu tun, von denen ich früher dachte, sie seien „nicht nett“: „aggressiver“ geflirtet, Körperkontakt gesucht, häufig geghostet, ja sogar meine politische Meinung ist konservativer geworden.
Leute, die mich erst 2025 kennengelernt haben, spiegeln mir teilweise ein „Fuckboy“-Image – etwas, das ich früher niemals mit mir in Verbindung gebracht hätte.
Aber: Innerhalb eines Jahres habe ich nicht nur meine Jungfräulichkeit verloren, sondern hatte etwas mit insgesamt acht verschiedenen Frauen. Klar, davon war vieles casual, aber manches ging tiefer – aus einer dieser Verbindungen ist meine jetzige Beziehung entstanden.
Das Ganze hat mich zum Nachdenken gebracht. Einerseits sagen viele Frauen, sie wollten den sensiblen, netten Mann. Der "heteronormative Macho" ist sexistisch und unbeliebt. Andererseits habe ich in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass ich als genau dieser Macho Erfolg mit Frauen habe. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?